Alleinstellungsmerkmale finden

Gruppenidentität und Alleinstellungsmerkmale finden

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Jede Selbsthilfegruppe ist einzigartig und lebt von und mit den Menschen, aus denen sie besteht. Was macht eure Gruppe so besonders? Was ist euer Alleinstellungsmerkmal? Was bietet eure Gruppe einem Besucher?

Bevor überhaupt Öffentlichkeitsarbeit begonnen werden kann, müsst ihr euch darüber klar werden, was eigentlich die Definition eurer Gruppenpersönlichkeit und eures Nutzenversprechens ist. Diese Definition ist nicht in Stein gemeißelt und kann sich stetig weiterentwickeln. Aber es sollte ein gemeinsames Bewusstsein für diese beiden Punkte existieren.

Um neue Gruppenbesucher zu gewinnen und bestehende Mitglieder zu halten, müssen sie einen persönlichen Mehrwert im Besuch des Gesprächskreises sehen. Denn ggf. verzichtet derjenige dafür nämlich auf Zeit mit der Familie, Sport / Hobby oder einfach Rumlümmeln auf der Couch. Und nicht zu vergessen: die Krankheit / Betroffenheit, die bei ihm das Interesse für ein Selbsthilfeangebot geweckt hat, stellt zusätzlich noch eine Belastung dar.

„Was uns ausmacht merkt man dann schon, wenn man bei uns ist!“

Mag sein. Für jemanden, der euch jedoch noch nicht kennt, der sich per Internet oder Flyer über euer Angebot informieren möchte, braucht es aber zumindest ein paar Sätze, die zusammenfassen:

  • Für wen ist euer Angebot da? Wer ist/sind eure Zielgruppe(n)?
  • Was erwartet den Besucher?
  • Welchen Nutzen / Mehrwert habe ich von einem Besuch?
  • Warum soll ich zu EUREM Verband kommen und nicht zur „Konkurrenz“?
  • Was macht euch einzigartig?

Auch wenn es in eurer Nähe keine weiteren Selbsthilfegruppen zum jeweiligen Thema gibt, lohnt es sich durchaus zu überlegen, wodurch ihr euch von dem Angebot anderer Vereine / Verbände unterscheidet.

 

Je deutlicher ihr die o.g. Punkte herausarbeitet, desto klarer und gerichteter wird jede nachfolgende Kommunikation!

Denn nur wenn man weiß, an WEN man sich genau richtet, kann man ermitteln, WO, WOMIT und WIE man denjenigen ansprechen kann. Indem ihr verdeutlicht, WER ihr seid und WAS ein Neuling bei euch erwarten kann, werden bei ihm Ängste und Hemmungen vor einem Erstkontakt abgebaut.

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Schritt 1: Von anderen lernen

Man muss das Rad nicht ständig neu erfinden. Ein Blick auf andere Selbsthilfeangebot zu eurem Kernthema lohnt sich. Wie kommunizieren diese mit ihrer Zielgruppe? Wie bringen sie ihr Angebot rüber, welche Aspekte werden betont? Würdest du zu dieser Gruppe gehen? Was spricht dich als Betroffene(r) / Angehörige(r) an? Was fehlt dir? Reines Abschreiben ist Tabu! Aber lasst euch ruhig davon inspirieren, wie andere arbeiten.

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Schritt 2: Stärken finden

Was sind eure Stärken? Das können ganz unterschiedliche Dinge sein:

  • Motivationsfähigkeit
  • Konfliktfähigkeit
  • Stabilität / Zuverlässigkeit
  • Erfahrung
  • Toleranz
  • Humor
  • Unternehmungsfreude
  • Aufgeschlossenheit
  • Belastbarkeit
  • Sozialkompetenz
  • Engagement
  • Hilfsbereitschaft
  • Vernetzung mit anderen Institutionen / Hilfseinrichtungen
  • Kreativität
  • Wärme / Herzlichkeit

….. und noch vieles mehr.

Schritt 3: Eure Zielgruppe(n) und deren Bedürfnisse ​

Versetze dich in die Zielperson, die ihr ansprechen möchtet. Welche Bedürfnisse hat sie? Mit welchen Problemen hat sie zu kämpfen? Für welche Argumente ist sie aufgeschlossen? Es ist hilfreich, sich dazu konkrete Beispielcharaktere zu schaffen. Sogenannte „Personas“. Wie sähe der typische Gruppenbesucher aus, den ihr erreichen möchtet?

Beispiele aus Sicht einer Sucht-Selbsthilfegruppe könnten sein:

54 Jahre, alleinstehend, seit 15 Jahren Spiegeltrinker, hat Probleme im Job, viele Selbstzweifel, Angst vor dem Ruhestand und wird von seinen erwachsenen Kindern oft für seinen Alkoholkonsum kritisiert, würde gerne weniger trinken, weiß aber nicht, wie er das schaffen kann. Internet hat er nicht. Sein Arzt hat ihm den Besuch einer Selbsthilfegruppe nahegelegt.

45 Jahre, seit 14 Jahren mit einem uneinsichtigen Alkoholiker verheiratet. Sie managed die Familie, hat nach dem Jobverlust ihres Mannes einen Halbtagsjob annehmen müssen, fühlt sich unverstanden von Freunden und Verwandten und ist mit ihren Kräften zusehends am Ende. Sie googelt nach Hilfsmöglichkeiten in ihrer Nähe.

28 Jahre, seit 10 Jahren akohol- und drogenabhängig, kommt frisch aus der 15wöchigen Entwöhnungsbehandlung, sein Freundeskreis konsumiert weiterhin Drogen, die Wiederannäherung an seine Familie verläuft schleppend, „Selbsthilfegruppe“ klingt für ihn irgendwie spießig, doch er möchte was für sich tun und weiterhin clean bleiben. Seine Klinik hat ihm den Gruppenbesuch empfohlen und so suchte er im Internet nach Angeboten.

Was hierdurch deutlich werden soll:
je nach Ausrichtung einer Selbsthilfegruppe und Zielpersönlichkeit muss die Ansprache einer Zielgruppe ggf. ganz unterschiedlich erfolgen.

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Schritt 4: Gewichtung eurer Stärken & Argument

Ihr habt sicher zahlreiche Stärken eurer Gruppe gefunden. Nun geht es darum, die schlagkräftigsten Argumente und deutlichsten Alleinstellungsmerkmale herauszufiltern. Die Gewichtung von Argumenten kann je nach Zielgruppe durchaus variieren und vielleicht sind später auch einzelne Themen-Flyer oder die Präsenz an unterschiedlichen Kontaktpunkten (vor Ort, im Internet, in Kliniken, in öffentlichen Einrichtungen, etc.) nötig. Was also macht EURE Gruppe aus und überzeugt am stärksten zu einem Gruppenbesuch?

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Schritt 5: Auf den Punkt gebracht – die Formulierung macht´s!

Die nun herausarbeiteten Kernargument sollen nun kurz, präzise und verständlich auf den Punkt gebracht werden und das Wesen eurer Gruppe charakterisieren. Klingt kompliziert? Nicht abschrecken lassen. Ein guter Claim (Slogan) entwickelt sich selten über Nacht!

Ein paar Beispiele aus der Werbung. Erkennst du sie?

1. „Quadratisch. Praktisch. Gut.“
2. „Da weiß man, was man hat.“
3. „Aus Erfahrung gut“
4. „Vorsprung durch Technik.“
5. „Weil ich es mir wert bin.“
6. „Gute Preise. Gute Besserung.“
7. „Nichts ist unmöglich.“
8. „Wir machen den Weg frei.“
9. „Immer besser informiert.“

Auflösung: 1. Ritter Sport, 2. Persil, 3. AEG, 4. Audi, 5. L´Oreal, 6. Ratiopharm, 7. Toyota, 8. Volksbank, 9. Westfälische Nachrichten Münster

Für den Kreuzbund Münster habe ich den Slogan „gemeinsam. suchtfrei. leben.“ entwickelt, der seit 2016 einheitlich auf unseren Printprodukten genutzt wird und unsere Gruppenidentität verkörpert

Weitere Claims aus dem Gesundheits- / Selbsthilfebereich:

  1. „Selbsthilfe macht Mut.“ (vernetzdich.de)

  2. „Kenn dein Limit“ (Alkoholprävention der BzgA)

  3. „Reden und Handeln.“ (Selbsthilfe bei Depressionen e.V.)

  4. „Schlaganfall kann jeden treffen“ (Schlaganfallhilfe.de)

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